Die Geschichte der Stadt-Apotheke Gera bis 1847

Erteilung des Privilegs

David Oeder eröffnet die Stadt-Apotheke am 4. Februar 1603 auf dem heutigen Areal „Deutsches Haus” (Haus der DSF). Er ist zuvor als Hofapotheker auf Schloss Osterstein tätig und leitet die Stadt-Apotheke, bis er am 8. Juni 1637 an der „Roten Ruhr“ verstirbt. Den Erben Oeders gelingt es, vom Reußischen Hause eine Übertragung des wichtigen Apothekenprivileges zu erreichen.

Die Stadtapotheke an verschiedenen Standorten

Lang ist die Reihe der Apotheker, die einst Besitzer oder Pächter der Stadt- Apotheke waren und wechselvoll ihr Schicksal. lm Folgenden kann daher nur auf die wichtigsten Personen und Ereignisse eingegangen werden.

Mit Herrn Johann Heinrich Reiche erwirbt im Jahre 1688 ein besonders geschäftstüchtiger Geraer Bürger die Apotheke. Er sitzt im Rat der Stadt und übernimmt sogar 1694 das Amt des Bürgermeisters und ist auch noch Schulprovisor.

Vorher ist er Pächter der Apotheke, die zu dieser Zeit bei einer jährlichen Pachtsumme von 200 fl etwa 1000 bis 2000 fl Gewinn erbringt. Die maßlose Geldsucht von Reiche kommt in einer Klage des Hof- und Stadtmedikus Johann Dammenhan 1676 zum Ausdruck. Eine Arznei, die bei Reiche 1 Taler kostet, ist in der Hofapotheke sowie in Leipzig für 8 Groschen erhältlich. Weiterhin wird ihm vorgeworfen, dass der „Apotheker-Geselle“ Hanuß Caspar Heidenreicher sich des ”practicirens, welches ihm doch unterschiedliche malen von dem Physico verbothen worden, nicht enthalten will“.

Ein weiterer spektakulärer Stadtapotheker ist Dr. Johann Nikol Bauer aus Kohren, der am 12.7.1701 die Apotheke erwirbt und bereits 1704 das Apothekengebäude mit dem Nebenhaus zu einem Gesamtbau vereinigt. Allerdings gerät er bald nach Übernahme der Apotheke „wegen mehrfacher Widerspenstigkeiten gegen Anordnungen und Verbote des Stadtmedikus Dr. Zopf” in gerichtliche Auseinandersetzungen. Da er schon mehrfach „bestraft und anrüchig” ist, wird die Apotheke von 1703 bis 1709 versiegelt und die Hofapotheke mit der gesamten Stadtversorgung betraut. Dr. Bauer entfernt eigenmächtig das Siegel und veranlasst damit das schärfste Einschreiten des Rates und des beamteten Landrichters. Nach einem langen Prozess, der reich ist an dramatischen Einzelheiten und ein Einschalten des Grafen Heinrich XVlll. Beuß-Gera und sogar von König August erforderlich macht, beschließt 1709 eine Kommission, die verschlossene Apotheke wieder zu eröffnen und dem Dr. Bauer einen „tüchtigen vereydeten Provisor zu bestellen“.

Von dieser 6-jährigen Schließzeit kann sich Dr. Bauer nicht erholen und ein begonnener Hausneubau führt schließlich 1717 zum Konkurs. Die Stadt-Apotheke geht nach Versteigerung an Heinrich Hülsemann schließlich in landesherrlichen Besitz über.

ln diese Zeit fällt auch ein erbitterter Kampf der Geraer Materialisten gegen das Apothekenprivileg, das unter anderem auch den Handel mit Gewürzen außerhalb der Apotheke untersagt. Um 1713 wird dabei sogar an den Kaiser selbst appelliert.

Von den nachfolgenden Pächtern ist besonders der noch heute bekannte und geachtete Apotheker Tobias Conrad Hoppe (Mitte 18. Jh.) hervorzuheben. Er ist literarisch außerordentlich hervorgetreten und wird bekannt durch Veröffentlichungen über Versteinerungen und Mineralien der Geraer Gegend, gibt die älteste „Geraer Flora“ heraus und ist mit Witterungs- und Ernteberichten oft im Geraer lntelligenzblatt vertreten. Der große Stadtbrand von 1780 hat auch die Apotheke nicht verschont. Noch im Jahre 1803 wird berichtet, dass das Haus nicht vollständig ausgebaut, das Dach weiter beschädigt ist und für den Stadtapotheker keine be- nutzbaren Wohnräume aufweise. lnzwischen hat Johann Gottlob Hedenus die Apotheke vom Allodialerben Heinrich XXX. erstanden und verlegt sie am 14.8.1804 an den Kornmarkt in das Haus, in dem sich lange Zeit die Hagensche Großdrogenhandlung befand.

Nach dem Tod von Hedenus im Oktober 1806 wird die Apotheke an Karl Friedrich Gotthilf Zabel aus Dessau verkauft. lnteressant ist, dass zu diesem Zeitpunkt das im Jahre 1603 kostenlos erteilte Privileg bereits allein einen Wert von 6.000 Rhtlr. besitzt. Der Stadtapotheker Zabel klagt über einen weit geringeren Absatz der Apotheke bedingt durch die Lage am Kornmarkt. lnfolgedessen erfolgt bald die Zurückverlegung nach der Großen Kirchstraße in das Haus des späteren Deininger Bräus (heute: Alt Gera). Zabel erwirbt sich bleibende Verdienste um die Stadt Gera und nach ihm werden ein Gymnasium und eine Stiftung benannt.

Die seit 1812 bestehende Apothekenordnung wird um 1830 durch einige Bestimmungen verschärft. So sind Metallbüchsen nur noch für die Aufbewahrung von Tees zulässig. Der Apotheker muss für jedes fehlende Mittel 1 Bhtlr. Strafe zahlen, für jedes verdorbene und untaugliche Mittel 2 Rhtlr.. Bei nicht gehörig bereiteten Mitteln bleibt die Apotheke 6 Wochen geschlossen und bei Wiederholung kommt es zum Verlust des Privilegs und einer Strafe von 200 Bhtlr. lš 11).

Am 30.9.1833 verkauft Zabel die Apotheke an Dr. Ernst Herrmann Schröder aus Zeitz für mittlerweile 18.000 Rhtlr.. Dr. Schröder ist zugleich Besitzer der Zeitzer Mohrenapotheke (gegr. 1639). Er erwirbt schließlich im Jahre 1847 vom Kaufmann Franz Heinrich Becker die Häuser Markt 8/9 für 8.000 Thaler und siedelt die Stadt-Apotheke in das „Verkaufslokal“ um, wo sie sich bis heute befindet.

Die Stadt-Apotheke am Markt 8/9 von 1847 bis 1945

Mit der Ubersiedlung der Stadt-Apotheke an den Standort Markt 8/9, am 15. Februar 1847, erfolgt die Unterbringung in einem der bekanntesten und markantesten Eckgebäude und Wahrzeichen der Stadt. Die beiden Häuser Markt 8 und 9 wurden in diesem Zusammenhang vereinigt.

Stadt-Apotheke (undatiert, vermutl. zweite Hälfte des 19. Jh.) mit Badertor im Hintergrund

Als Erbauer dieses Gebäudes gilt nach Aussagen des ehemaligen Stadtarchivars Ernst Paul Kretschmer der unter dem Namen „Zuckerbäcker-Hans” bekannte Hans Hörl (oder Hörel), der bereits vor 1599 als Hofapotheker bekannt ist. Als begüteter Mann erscheint Hörel „einige 40 mal“ als Pate im ersten Geraer Taufregister. Später wird er sogar Bürgermeister in Gera. Das Eckhaus selbst soll gegen 1692 neu auf den Mauern der ehemaligen Beußischen Staatskanzlei erbaut worden sein. Neuere Untersuchungen lassen allerdings den Schluss zu, das der Vorgängerbau, der aus der gotischen Epoche stammt und damit zu den ältesten, teilweise erhaltenen Häusern in Gera gehört, von Hörel lediglich umgebaut und mit dem Anbau des markanten Erkers um 1606 eindrucksvoll ergänzt wird.

Es ist damit bis heute eines der prägendsten Architekturteile auf dem Marktplatz und in seiner Erscheinung und Konstruktion ein sehr wichtiges Zeugnis territorialer Renaissancebaukunst. ln einer selbstbewussten und kraftstrotzenden Zeit erbaut, teilt dieses Eckhaus alle Geschicke Geras bei „Krieg, Brand, Pestilenz und teurer Zeit“. Die verheerenden Stadtbrände von 1639, 1686 und schließlich 1780 machen auch um dieses Haus keinen Bogen, aber seine starken Mauern trotzen der Zerstörung und pietätvoll wird insbesondere der Erker immer wieder repariert.

Diese historische Kartusche ist heute wieder öffentlich zugänglich

Dem Betrachter hebt sich der Erker in feiner Form von dem Hintergrund ab. Die gute Profilierung der Fensterumkleidung, die kräftige waagerechte Gliederung des alten Erkers geben mit dem reichen Schmuck der Felder und Pfeiler, die in leuchtenden Renaissancetönen strahlen, und dem Zierrat der Erkerkonsolen (verwendet sind: Eierstab, Akanthusblatt und andere Beschlagmuster) ein feines sorgsam abgewogenes harmonisches Bild. Antike Muster kehren hier in der Profilierung ständig wieder. Interessant ist die Darstellung der vier Jahreszeiten an der unteren Brustung und der Wappen von Solms, Beuß, Schwarzburg und Hohenlohe an der oberen Brüstung. Sie stammen nach einer alten Handschrift aus dem Anfang des 18. Jh. von der alten ehemals an der Marktecke gelegenen Kanzlei des Landesherrn. Die alte Wetterfahne des Erkers zeigt die Initialen H.D.J.R.H.V.P., das reußische Wappen und die Jahreszahl 1606. Sie ist wohl dem Erbauer vom Landesherren Heinrich dem Jüngeren Reuß, Herrn von Plauen, daher dessen initialen an der Fahne, zugebilligt worden.

Interessant sind auch die unter der Apotheke gelegenen unterirdischen Gänge (heute Höhler Nr. 108 und 109), die nachträglich von den Hauskellern aus in die bestehende Bausubstanz getrieben wurden. Eine Kartusche im Treppenhaus aus dem Jahre 1888 gibt als Entstehungsdatum dieser für Gera typischen Tíefkeller das Jahr 1712 an.

Höhler der Stadt-Apotheke mit gemauerten Wandkonsolen

ln diesen Höhlern, die ca. 8 m unter der Erdoberfläche liegen, herrschen ganzjährig Temperaturen um 10 °C, ideale Bedingungen für die Lagerung von Bier, Tinkturen, Lebertran, Fruchtsäften etc.

Auch im lnnern des Hauses sind Treppenaufgang, Gewölbe und toskanische Pfeilerreste, nämlich zwei Flachbogenenden auf einer toskanischen Mittelsäule mit einem als Nonnenkopf (der weißen Frau) gemeißelten Kämpferaufsatz aus der Zeit seiner Erbauung erhalten geblieben.

Erst in dieser Zeit werden auch die für das mittelalterliche Gera typischen offenen Arkadengänge im Erdgeschoss der Häuser geschlossen, wie beim Umbau 1999 festgestellt wird.

Mit dem Erwerb dieses Gebäudes geht auch das sogenannte freie Braurecht der Altstadtbürger auf Dr. Ernst Schröder über. Damit besitzt Schröder das Recht, neun (andere Quellen sprechen von vier) Gebräude Bier pro Jahr (etwa 16.000 Liter !!!) auf seine Kosten ausführen zu können und diese sogenannten „Herrengebräude“ waren abgabefrei. Schröder verkauft 1853 zwei der alten Erbgebräude für 100 Rhtl und verpachtet die übrigen an Nachbarn.

ln den folgenden Jahren setzt unter dem Nachfolger Curt Paul Friedrich Schröder und später Dr. Max E. Valentin Schröder erneut rege Bautätigkeit ein. Beide Häuser werden umgebaut, zeitweise getrennt und schließlich 1901 wieder zu einem Gesamtbau ver- einigt. Jetzt erreicht man das Treppenhaus des Eckgebäudes über den Flur des Hauses 8. Die an dieser Stelle befindliche Kartusche von 1888 wird diesbezüglich ergänzt. Der Bergrat Dr. Max Schröder wird außerdem durch seine Arbeiten auf mineralogischem Gebiet weit über seine Fachgrenzen hinaus bekannt.

Unter dem Stadtapotheker Dr. Schröder wird die Apotheke besonders durch die Entwicklungen von Hausspezialitäten, wie Dr. Schröders Benzolan-Präparate oder Dr. Schröders Spezial-Kräutertees, bekannt.

lm Jahre 1905 erfolgt erneut eine Veräußerung der Apotheke durch Max Schröder an den Medizinalassessor Dr. Carl Gutzeit aus Königsberg. Dieser betreibt die Stadt-Apotheke bis 1912 und verkauft am 1. April an den Pharmazierat Carl Hoepner aus Helmstedt.

ln dieser Zeit (1913) beschäftigt die Stadt-Apotheke 10 Mitarbeiter und der Jahresverdienst eines angestellten Apothekers beträgt ca. 3.000 M und einer Kassiererin ca. 500 M. lm Jahre 1932 ist die Zahl der Beschäftigten bereits auf 23 angestiegen.

Umbau 1925 durch Carl Hoepner

Carl Hoepner beginnt die Apotheke nach praktischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten neu zu gestalten und zu einem modernen pharmazeutischen Betrieb zu entwickeln. Der Umbau der Apotheke startet im Jahre 1925 und dauert mehrere Jahre. Zuerst wird die Apotheke vergrößert, der Baum nach alten Motiven (Laubengänge) wiederhergestellt und die Decke mit Symbolen der Pharmazie verziert. Ebenso werden Schaufenster eingebaut und in diese geschmackvoll gearbeitete Mahagoni-Vitrinen gestellt. lm Jahre 1928 werden die Keller weitgehend vergrößert und moderne Laboratorien hinein gebaut. Durch Aufstellung moderner z.T. elektrisch betriebener Maschinen und Apparate ist dafür Sorge getragen, dass die Apotheke voll und ganz allen damaligen Ansprüchen gerecht wird.

Es gibt nicht nur vielfältige Möglichkeiten zur Herstellung pharmazeutischer Präparate, sondern auch Laborkapazitäten zur Prüfung von Arzneimitteln. So können jetzt außerdem Harn, Nierensteine, Stuhl (occultes Blut, Wurmeier), Magensaft und Blut (Blutzucker) untersucht werden.

Ein besonderer Wirtschaftsfaktor für die Apotheke ist nach wie vor die Entwicklung und der Vertrieb besonderer Eigenentwicklungen, zu denen auch zu Hoepners Zeiten immer noch die Schröderschen Präparate gehören; Durch Versand im lnland und ins Ausland erlangt die Stadt-Apotheke auch dadurch überregionale Bedeutung. Aus heutiger Sicht genauso interessant ist die monatliche Herausgabe einer „Hauszeitung“, in der natürlich auch für die „Spezialitäten“ geworben wird. Die Erweiterung der Räumlichkeiten im Gebäudeteil Markt 8 führt weiterhin zur Einrichtung eines Reformhauses für diätetische Arznei- und Lebensmittel.

Die Stadt-Apotheke im Sozialismus vor dem Umbau

Die Stadt-Apotheke von 1945 bis 1990

Nach dem Zusammenbruch des nationalsozialistischen Deutschlands werden die Apotheke und das Hausgrundstück durch die sowietische Militäradministration (SMAD) im Frühjahr 1946 sequestriert.

Modernisierung 1978

Nach dem Tod des Apothekeninhabers am 16.5.1947 wird der bisher angestellte Apotheker Herr Josef Fenster als Leiter und Treuhänder eingesetzt. Am 1. Juni 1948 erfolgt schließlich die Enteignung von Apotheke und Grundstück.

Die offizielle Bezeichnung der Apotheke in dieser Zeit ist „Stadt-Apotheke VEB“ (also: Volkseigener Betrieb) und später „Poliklinikapotheke – Stadt-Apotheke Gera“.

Zum Glück werden diese dem Zeitgeist geschuldeten Bezeichnungen nach einiger Zeit wieder aufgegeben, die staatliche Unterstellung bleibt aber.

Der Personalbestand in der Apotheke beträgt im Jahre 1949 stattliche 27 Personen und ein angestellter Apotheker erhält eine Monatsvergütung von ca. 500 M und eine Helferin ca. 200 M.

Mit der Übersiedlung von Josef Fenster nach Düsseldorf am 30. September 1951 wird der ebenfalls bisher angestellte Apotheker Herr Wolfgang Fröhlich als neuer staatlicher Leiter eingesetzt, verlässt aber auch am 25. Februar 1953 die damalige DDB. Jetzt erhält Herr Apotheker Johannes Jahn die Leitung der Stadt-Apotheke und behält diese Funktion bis zu seinem Tode 1972.

Unter Herrn Jahn erhält die Stadt-Apotheke allmählich Schlüsselfunktionen im sich nun mit (Staats)Macht etablierenden sozialistischen Gesundheitswesen des Bezirkes Gera, indem sie 1960 als „Bezirksdepot-Apotheke“ für die Beschaffung, Bevorratung und Versorgung mit speziellen, hochwertigen Arzneimitteln aus dem sozialistischen und vor allem kapitalistischen Ausland (so- gen. C-Nomenklatur) zuständig wird. Weiterhin wird im Jahre 1964 für die gesamte Stadt Gera der Apotheken- Bereitschaftsdienst in der Stadt-Apotheke zentralisiert. Die Belegschaften der umliegenden Apotheken kommen turnusmäßig zu uns und versehen dort ihren Dienst. Dieses Prinzip hat sich unter sozialistischen Bedingungen zumindest für die Bevölkerung gut bewährt.

Nach dem Tod von Herrn Jahn übernimmt im August 1972 Herr Apotheker Dietrich Kütz die Apothekenleitung. Später erhält er in seiner Zweitfunktion als Kreisapotheker den Auftrag, alle unterstellten Apotheken nach und nach zu modernisieren und schließlich zu dem bereits erwähnten „Pharmazeutischen Zentrum“ zusammen zu schließen.

Zunächst wird eine inzwischen dringend erforderliche Sanierung der Räumlichkeiten der Stadt-Apotheke durchgeführt. Dazu wird die Apotheke total geschlossen und das Personal auf die umliegenden Apotheken aufgeteilt. Dieser Apothekenumbau im Jahre 1978 führt durch Anschluss an die Fernwärmeversorgung, Einbau eines Lastenaufzuges und für damalige Verhältnisse großzügige räumliche Veränderungen zu deutlich besseren Abgabe-, Lagerungs- und Herstellungsbedingungen im Erdgeschoss, 1. Obergeschoss sowie im Keller. Das zweite und teilweise das dritte Obergeschoss werden von der Familie Kütz privat genutzt.

Dieser Umbau von 1978 hat allerdings auch zur Folge, dass der von den Häusern Markt 8 und 9 gemeinsam genutzte Hausflur in die Apothekenräume integriert und das historische Treppenhaus und damit die oberen Räumlichkeiten nur über die Apotheke bzw. einen hinteren Zugang von den Nebenhäusern her zugänglich sind. Außerdem werden im Rahmen dieses „komplexen Wohnungsbaus” auch die angrenzenden Häuser nur noch zentral mit Versorgungsmedien gespeist und sind somit nicht mehr allein lebensfähig. Eine Tatsache, die unter sozialistischen Bedingungen ohne Belang ist.

Die Stadt-Apotheke wird zum Sitz des Pharmazeutischen Zentrums Gera, das nun auch die Apotheken des ehemaligen Landkreises umfasst und Herr OPhR Kütz wird in Personalunion neben dem Apothekenleiter zum Direktor dieses Zentrums. Dadurch beherbergen die Häuser Markt 8/9 außer dem klassischen Apothekenbetrieb jetzt auch das Direktorat sowie die Abteilung „Versorgungsorganisation“ und zeitweise die Abteilung „Medizintechnik“ mit teils überregionalen Aufgaben.

Diese Personalunion wird auf Druck des Bezirksapothekers im Jahre 1984 beendet und der bereits seit 1982 in der Apotheke beschäftigte Apotheker Dr. Siegfried Schellin wird am 1.3.1984 zum Leiter der Stadt-Apotheke benannt. Herr Kütz wird nun hauptamtlich Direktor und behält diese Funktion bis zur Auflösung des Pharmazeutischen Zentrums nach der Wende, um dann die schon zu DDR-Zeiten im Bau befindliche „Apotheke an der Brüte“ zu übernehmen.

Am 18. Februar war es endlich soweit…

Rückkehr zur privat geführten Apotheke

Mit dem Beitritt der DDR zum Bundes- gebiet am 3.10.1990 übernimmt die Treuhandgesellschaft alle staatlichen Apotheken mit dem Ziel, diese möglichst schnell zu privatisieren. Eine Ausschreibung erfolgt wenige Tage nach dem Beitritt und eine aus Kollegenschaft, Treuhand und Staat zusammengesetzte Optionskommission entscheidet auf der Grundlage des Einigungsvertrages über alle eingegangenen Anträge. ln der Regel erhalten dabei die ehemaligen staatlichen Apothekenleiter bei Erfüllung festgelegter Kriterien den Zuschlag auch beim Vorliegen mehrerer Bewerber.

Eine vom damaligen amtierenden Bezirksarzt Herrn Dr. Braunsdorf unterzeichnete und völlig unscheinbar aussehende provisorische „Betriebserlaubnis“ ist die Voraussetzung für den Weiterbetrieb der Apotheke und den dann folgenden Abschluss eines Kaufvertrages mit der Treuhandgesellschaft.

ln dieser Zeit wird erwartungsgemäß ein Rückübertragungsantrag des Alteigentümers beim Amt für offene Vermögensfragen eingereicht. lm Einigungsvertrag ist aber geregelt, dass Enteignungen aus der Zeit der SMAD von 1945 bis 1949 nicht rückgängig gemacht werden, so dass die Treuhand über die Apotheke nach ihrem Ermessen verfügt.

Mit dem damaligen Eigentümer des Hauses Markt 9, dem Dezernat Gesundheitswesen der Stadt Gera, sowie der Geraer Wohnungsbaugesellschaft „Elstertal” für den Markt 8 wird ein langfristiger Mietvertrag abgeschlossen und unter dem neuen Apothekeninhaber Dr. Siegfried Schellin am 1.12.1990 der private Apothekenbetrieb aufgenommen. Der Kaufpreis ist erst im Januar 1991 fällig und muss natürlich komplett finanziert werden. Zu dem Zeitpunkt sind 17 Mitarbeiterinnen in der Apotheke beschäftigt und alle werden entsprechend einer Forderung der Treuhand übernommen.

Die provisorische Betriebserlaubnis enthält die Auflage, innerhalb weniger Jahre die Apotheke an die jetzt geltende Apothekenbetriebsordnung der Bundesrepublik revisionssicher anzupassen.

Das führt wieder einmal zu Umbau- und Einrichtungsmaßnahmen, die nach Vorliegen aller gesetzlichen Genehmigungen (mit allen Schwierigkeitsgraden eines denkmalgeschützen Hauses) im Jahre 1992 begonnen werden. Die Apothekenbetriebsräume werden im Erdgeschoss, einschließlich Labor und Nachtdienstzimmer, zusammengeführt und für eine größere Officin wird im Haus Markt 8 durch Entfernen von Trennwänden eine großzügige Fläche geschaffen. Der ehemalige Hausflur des Hauses bleibt unverändert in der Apothekenfläche.

Sanitäreinrichtungen, Elektroversorgung und Beleuchtung werden komplett erneuert, ebenso Fenster und Türen. Eine neue moderne Apothekeneinrichtung wird im Januar/Februar 1993 eingebaut. Das Ganze führt natürlich zu erheblichen Belastungen für Personal und Patienten, aber der Umbau kann durch gute Organisation ohne Schließtage planmäßig beendet werden.

Nach Abnahme der Apotheke durch die Aufsichtsbehörde wird die Einhaltung aller apothekenspezifischen Auflagen sowie die Erfüllung aller sicherheits- und arbeitsschutzrelevanten Bestimmungen durch die Erteilung einer neuen Betriebserlaubnis bestätigt. Am 18. Februar 1993 kann endlich die offizielle Einweihung erfolgen.

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Die Stadt-Apotheke heute